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Hygienische Industriefliesen

In Lebensmittelbetrieben, Großküchen und Gesundheitseinrichtungen ist der Boden Teil des Hygienekonzepts. Die EU-Lebensmittelhygieneverordnung (VO 852/2004) verlangt für Räume, in denen Lebensmittel behandelt werden, Bodenbeläge, die in einwandfreiem Zustand zu halten, leicht zu reinigen und erforderlichenfalls zu desinfizieren sind – aus wasserundurchlässigen, nicht absorbierenden, abriebfesten Materialien.

Unglasiertes Feinsteinzeug erfüllt diese Eigenschaften im Material: Der dicht gesinterte Scherben nimmt zwischen 0,03 und 0,20 Prozent Wasser auf, die Oberfläche bindet weder Fett noch Farbstoffe und braucht keine Imprägnierung, die abgetragen werden könnte.

Der Boden ist mehr als die Fliese

Ob eine Fläche hygienisch funktioniert, entscheidet sich an den Details: Hohlkehlsockel statt geschnittener Sockelfliese, Gefälle zur Rinne, beständige Fugen und dichte Anschlüsse. Diese Punkte sind es, die bei Begehungen beanstandet werden – nicht die Fliese.

Hygienebereich mit Fliesenboden, Hohlkehlsockel und Rinne©KI-generiertes Symbolbild – keine Originalaufnahme
KI-generiertes Symbolbild – zeigt kein ausgeführtes Objekt.
KI-generiertes Symbolbild – zeigt kein ausgeführtes Objekt.
0,03 – 0,20 %Wasseraufnahme – nicht absorbierend
Klasse UAbeständig gegen Reiniger und Desinfektion
ohne Imprägnierungkein Pflegefilm, der Keime bindet
VO 852/2004erfüllt die Materialanforderungen

Worauf es bei hygienischen Böden ankommt

Nicht saugend und porenfreiWas nicht eindringt, kann nicht zurückbleiben. Die dichte, unglasierte Oberfläche nimmt weder Fett noch Farbstoffe auf und lässt sich rückstandsfrei reinigen.
HohlkehlsockelDer gerundete Übergang zwischen Boden und Wand lässt keine Ecke stehen, in der sich Rückstände sammeln, und ist bei der Wischdesinfektion vollständig erreichbar.
Gefälle und EntwässerungStehendes Wasser ist Hygienerisiko und Rutschgefahr zugleich. Rinnen und Abläufe werden vor dem Fliesenraster geplant, damit an der Rinne keine schmalen Passstücke stehen.
Beständige FugenDesinfektionsmittel und organische Säuren greifen zementäre Fugen an. Sie werden rau und damit selbst zur Schwachstelle – epoxidharzgebundene Fugen sind hier Standard.
Heißreinigung und DesinfektionReinigung mit heißem Wasser und Desinfektionsmitteln ist Alltag. Das Material verträgt beides ohne Veränderung der Oberfläche.
Keine PflegefilmeWachshaltige Pflegemittel bilden Schichten, die Schmutz binden und die Trittsicherheit verringern. Sie gehören auf hygienisch sensible Flächen nicht.

Hygieneanforderungen und Umsetzung

Anforderung und bauliche Umsetzung

AnforderungHerkunftUmsetzung am Boden
Wasserundurchlässig, nicht absorbierendEU-Verordnung 852/2004, Anhang IIFeinsteinzeug mit 0,03 – 0,20 % Wasseraufnahme
Leicht zu reinigenEU-Verordnung 852/2004Unglasierte, dichte Oberfläche ohne Imprägnierung
Erforderlichenfalls desinfizierbarEU-Verordnung 852/2004Beständig gegen die üblichen Flächendesinfektionsmittel
AbriebfestEU-Verordnung 852/2004Tiefenabrieb 109 – 149 mm³ nach ISO 10545-6
Rutschhemmung je ArbeitsbereichDGUV Regel 108-003R10 bis R13 je nach Bereich, teils mit Verdrängungsraum
Keine Schmutzecken an AnschlüssenGute HygienepraxisHohlkehlsockel, dichte Durchdringungen

Die Verordnung schreibt kein Material vor, sondern Eigenschaften. Entscheidend ist deshalb immer das Gesamtsystem aus Fliese, Fuge, Sockel und Entwässerung.

Reinigung und Pflege

MittelEignungBegründung
Nicht rückfettende alkalische Reinigergeeignetlösen Fett, hinterlassen keinen Film
Übliche FlächendesinfektionsmittelgeeignetMaterial ist gegen Säuren und Laugen beständig
Heißwasser und Dampfgeeignetthermoschockfest bei hohlraumfreiem Aufbau
Wachshaltige Pflegemittelungeeignetbilden Filme, binden Schmutz, verringern die Trittsicherheit
Flusssäurehaltige Reinigernicht zulässigzerstören die Fliesenoberfläche

Bei Ausführungen mit Verdrängungsraum muss das Reinigungsverfahren das Profil erreichen – Schrubbautomat oder Bürste mit ausreichendem Anpressdruck statt Wischtuch.

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Hygiene entsteht im Detail

Der Sockel

In allen Bereichen, die nass gereinigt oder desinfiziert werden, gehört ein Hohlkehlsockel zum Boden. Er führt den Belag gerundet an die Wand, verhindert, dass Wasser dahinter läuft, und lässt sich vollständig reinigen. Ein aus Bodenfliesen geschnittener Sockel ist dafür kein gleichwertiger Ersatz, weil in der Ecke eine Fuge bleibt.

Die Fuge

Organische Säuren, Desinfektionsmittel und heißes Wasser greifen zementäre Fugen an. Eine angegriffene Fuge wird rau, lässt sich schlechter reinigen und wird damit selbst zum Hygienerisiko. In Produktions- und Aufbereitungsbereichen gehört ein epoxidharzgebundener Fugenmörtel deshalb eindeutig in die Ausschreibung.

Die Entwässerung

Wo täglich mit Wasser gereinigt wird, braucht die Fläche Gefälle und Rinnen. Die Rinnenlage steht vor dem Fliesenraster fest, damit an der meistbeanspruchten Stelle keine schmalen Passstücke entstehen. Übliche Gefälle liegen bei 1,5 bis 2 Prozent.

Rutschhemmung und Reinigbarkeit abwägen

Gerade in Hygienebereichen stehen sich zwei Anforderungen gegenüber: Je gröber die Oberfläche, desto besser die Trittsicherheit – und desto aufwendiger die Reinigung. Die Lösung ist keine höhere R-Gruppe als nötig, sondern die korrekte Einstufung nach Arbeitsbereich, kombiniert mit einem Reinigungsverfahren, das zur Ausführung passt.

Häufige Fragen zu hygienischen Böden

Welche Anforderungen stellt die Lebensmittelhygieneverordnung an den Boden?

Die EU-Verordnung 852/2004 verlangt für Räume, in denen Lebensmittel behandelt werden, Bodenbeläge, die in einwandfreiem Zustand zu halten, leicht zu reinigen und erforderlichenfalls zu desinfizieren sind – aus wasserundurchlässigen, nicht absorbierenden, abriebfesten Materialien. Ein bestimmtes Material wird nicht vorgeschrieben; entscheidend sind die Eigenschaften und das Gesamtsystem.

Sind Fugen ein Hygieneproblem?

Nur wenn sie falsch ausgeführt sind. Vollständig gefüllte, epoxidharzgebundene Fugen sind dicht, glatt und beständig gegen Reiniger und Desinfektionsmittel. Kritisch werden zementäre Fugen, die von organischen Säuren angegriffen werden: Sie werden rau und lassen sich dann nicht mehr vollständig reinigen.

Braucht die Oberfläche eine Versiegelung?

Nein. Die Dichtheit kommt aus dem gesinterten Material. Eine Imprägnierung oder Versiegelung würde eine zusätzliche Schicht schaffen, die sich abträgt und erneuert werden müsste – und genau solche Filme sind in Hygienebereichen unerwünscht.

Warum ein Hohlkehlsockel statt einer Sockelfliese?

Weil der gerundete Übergang keine Ecke lässt, in der sich Wasser und Rückstände sammeln, und weil er bei der Wischdesinfektion vollständig erreichbar ist. Bei einem aus Bodenfliesen geschnittenen Sockel bleibt in der Kehle eine Fuge – genau dort setzen sich Rückstände fest.

©KI-generiertes Symbolbild – keine Originalaufnahme

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Andreas Kirchner - Rudex Import Export GmbH - Industriefiesen.de
Andreas Kirchner
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